Grüne
Böhl-Iggelheim

Auf mehrfachen Wunsch veröffentliche ich meine Red auf unserer Homepage.

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Freundinnen und Freunde,

heute stehen wir hier zusammen, um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für eine Zukunft, in der wir gut und glücklich miteinander leben können. In der Kinder miteinander spielen, egal welche Hautfarbe, Religion oder Geschlecht sie haben. Lasst uns heute gemeinsam die Chance nutzen, unser Dorf als lebenswert, offen und demokratisch zu präsentieren, indem wir für Schwächere einstehen und Minderheiten schützen!

Solange wir das noch können. Denn in einer Welt, in der von vielen wieder Autokraten und Diktatoren verehrt werden, in einer Welt, in der wir in politischen Ämtern, beim Ehrenamt oder in sozialen Berufen diffamiert, beschimpft und persönlich angegangen werden, in einer Medienwelt, in der keine Hemmungen mehr vorhanden sind, müssen wir die Chance nutzen, zu zeigen, dass wir die laute Mehrheit sind, dass wir diejenigen sind, die für Toleranz, Vielfalt und die Menschenwürde einstehen und diese verteidigen!

Dabei gibt es gerade in Zeiten von Krisen und Ängsten keine einfachen Lösungen. Manche Dinge sind auch schwer auszuhalten oder beeinflussen unser Leben ganz konkret. Und man darf auch unzufrieden sein. Doch heute geht es um mehr als politische Meinungsverschiedenheiten. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir hier ein partei- und ressortübergreifendes Bündnis darstellen. Dass wir gemeinsam hier stehen. Es geht um einen respektvollen Umgang miteinander, um Toleranz und Solidarität. Überlassen wir nicht den Populisten, Hetzern und Spaltern das Feld!

Denn wir wissen, dass Parteien und Personen, die einfache und schnelle Lösungen anbieten, nichts als Lügen im Gepäck haben. Lassen wir nicht zu, dass sich 1933 wiederholt, lassen wir nicht zu, dass Feinde der Demokratie Ängste ausnutzen, um an die Macht zu kommen! „Nie wieder“ heißt die Parole und „Nie wieder“ ist jetzt!

Vor kurzem war ich im frisch renovierten Landtag und hatte eine Führung durch unser Landesparlament. Im Plenarsaal hängt auf der linken Seite eine Originalfahne vom Hambacher Fest von 1832. Zusammengeflickt aus Stoffen, die die Menschen gerade so gefunden haben. Sie haben quasi ihr letztes Hemd für die Demokratie gegeben. Und wisst ihr, was mich echt bestürzt?! Ich habe mich gefreut, ein solch geschichtsträchtiges Requisit aus der Nähe betrachten zu dürfen. Doch dann kam mir als nächstes in den Sinn, dass seit geraumer Zeit Rechtspopulisten und Rechtsradikale das Hambacher Schloss für ihre Propaganda und Hetze missbrauchen. Lassen wir nicht zu, dass unser Schloss von Nazis missbraucht wird! Lasst uns den Neustadtern und Hambachern unsere Solidarität zuteilwerden und sie bei kommenden Demos unterstützen!

Ich weiß nicht, wie es euch ging, als ihr das erste Mal im Geschichtsunterricht von den grausamen Taten der Nazis und dem Holocaust gehört habt. Ich habe damals mit meiner 10. Klasse das KZ Buchenwald besucht. Ein solcher Besuch prägt einen. Ich war damals ratlos. Wie konnte eine ganze Nation so etwas zulassen? Wie konnte man wegschauen oder das Ganze nicht wahrhaben wollen? Und wie verdammt nochmal kann sich heute auch nur ein einziger deutscher Politiker hinstellen und eine Remigration öffentlich im Bundestag fordern? Lasst uns nicht wegschauen! Und die sogenannte Alternative für Deutschland bietet keine Lösungen, sondern nur Parolen, Hetze und Lügen. Es ist erschreckend, wie viele verurteilte Kriminelle in den Reihen der AfD im Bundestag sitzen und Zugang zu sensiblen Informationen haben. Welcher Hass und welche Aggressivität bei Auftritten dieser Partei zu sehen ist. Es ist erschreckend, dass ein Herr Höcke ungestraft Nazijargon und Symboliken nutzen kann. Das dürfen wir nicht länger zulassen! Die Tatsache, dass diese Personen, wie jüngst um Krah, Informationen preisgeben, zeigt, dass die AfD nicht nur unanständig, verlogen und eklig ist, sondern auch ein enormes Sicherheitsrisiko für Deutschland und unsere Demokratie darstellt. Es geht diesen vermeintlichen Nationalisten nicht ums eigene Land. Es geht ihnen um die eigene Tasche und eigene Vorteile, die sie sich über die Parlamente erschleichen! UND die AfD zeigt immer wieder ihre Verachtung gegenüber Frauen durch sexistische Äußerungen und rückwärtsgewandte Frauenbilder. Statt die Gleichberechtigung zu fördern, verbreitet die AfD ein frauenfeindliches Weltbild, das Frauen auf traditionelle Rollenbilder reduziert und ihre Selbstbestimmung einschränkt. Diese rückständige Haltung ist nicht nur schädlich für die Frauen in unserer Gesellschaft, sondern untergräbt auch die Grundwerte von Freiheit und Gleichberechtigung, für die wir gemeinsam kämpfen. Es ist unerlässlich, sich gegen diese frauenfeindliche Ideologie zu stellen und für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der Frauen respektiert, gestärkt und gleichberechtigt sind!

Es ist beschämend, wie einige Menschen in unserem Dorf gegen diejenigen hetzen, die neu zu uns kommen, oder gegen diejenigen, die helfen, anstatt tatenlos danebenzustehen. Selbst anderen zu helfen, fällt ihnen nicht ein, stattdessen verbreiten sie Vorurteile, Hass und Angst. Doch wir lassen uns davon nicht beeinflussen. In Böhl-Iggelheim haben wir eine aktive Flüchtlingshilfe, die sich durch großes Engagement von Ehrenamtlichen auszeichnet. Die sich für die Integration und Unterstützung von Menschen einsetzt, die bei uns Schutz suchen. Wir stehen zusammen und zeigen, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität stärker sind als Ausgrenzung und künstlich erzeugte Angst. Hunderttausende Menschen sind in den letzten Monaten auf die Straße gegangen, um gegen Hass, Rassismus und Extremismus zu demonstrieren. Mir hat das Mut gemacht. Mut, mich auch persönlich politisch zu engagieren, mit anderen ins Gespräch zu kommen und dabei alle ernst zu nehmen. Engagiert auch ihr euch. Wir brauchen jede und jeden!

Und lasst uns auch an uns selbst arbeiten, denn häufig sind es die kleinen Dinge im Alltag, die wir im Auge haben müssen. Es beginnt damit, sich seiner eigenen Vorurteile bewusst zu werden und aktiv dagegen anzugehen. Indem wir offen für andere Kulturen und Lebensweisen sind, können wir Vorurteile abbauen und Toleranz fördern. Wir sollten uns solidarisch mit Betroffenen von Rassismus zeigen, sie unterstützen und für ihre Rechte einstehen. Darüber hinaus ist es wichtig, rassistische Äußerungen und Handlungen nicht zu tolerieren, sondern klar und deutlich dagegen einzutreten. In der Kita und Schule, genauso wie in der S-Bahn und am Stammtisch. Indem wir uns aktiv für Vielfalt, Respekt und Gleichberechtigung einsetzen, können wir gemeinsam eine inklusive und gerechte Gesellschaft schaffen, in der jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung willkommen ist.

„Demokratie muss in jeder Generation neu geboren werden, und Bildung ist ihre Hebamme.“

Dieses Zitat von John Dewey beschreibt unsere aktuelle Situation, glaube ich, perfekt. Man muss in jeder Generation wieder ein Stückweit von vorn beginnen, um gut miteinander, in einer niemals perfekten Demokratie, leben zu können.

Also lasst uns auch in Böhl-Iggelheim die Demokratie aufrechterhalten. Lasst uns durch Gespräche und Hilfsangebote Menschen und Freunde zurückholen. Und lasst uns nicht aufhören, die Geschichten der Großeltern immer wieder zu erzählen! Zusammen sind wir stark!

Hier noch einen kurzen Überblick zum Hambacher Fest

Das Hambacher Fest von 1832 war eine bedeutende Versammlung im deutschen Vormärz, die auf dem Hambacher Schloss in der Pfalz stattfand. Organisiert wurde es maßgeblich von dem deutschen Juristen und Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Das Fest zog etwa 30.000 bis 50.000 Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands an und gilt als Meilenstein in der Geschichte der deutschen Demokratiebewegung.

Siebenpfeiffer, ein Verfechter liberaler Ideale und Redakteur der Zeitung „Der Westbote“, spielte eine führende Rolle bei der Organisation des Hambacher Fests. Das Ziel der Versammlung war es, für Freiheit, nationale Einheit und demokratische Reformen einzutreten. Die Teilnehmer, darunter Vertreter verschiedener sozialer Schichten und politischer Strömungen, versammelten sich, um für politische Veränderungen und bürgerliche Freiheiten zu demonstrieren.

Das Hambacher Fest wurde auch als „Fest der deutschen Einheit“ bekannt, da es die Einheit der deutschen Nation symbolisierte und dazu beitrug, nationale Identität und Zusammengehörigkeit zu stärken. Obwohl die revolutionären Ziele des Festes kurzfristig nicht erreicht wurden und es später von den herrschenden Mächten unterdrückt wurde, blieb es ein Symbol für den Kampf um Freiheit und Demokratie in Deutschland.

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